slowlove

Soča Tal

KROATIEN

All das Durcheinander, das Dröhnen, die vielen Nachrichten – wir ließen es hinter uns. Immer Richtung Süden, weil dort ganz sicher gute Ferien beginnen. Nur eine Runde Donauschwimmen mit unseren Freunden und Berlin perlt ab (und sei es nur für einen Moment). RiesenSchüsseln voll Kirschen essen und Räucherfisch bis spät in die Nacht. Uns gemeinsam das Leben da draußen erklären – auch wenn wir keine Antwort finden.

Eining, Klavže, Žminj, Klavže und wieder zurück an die Donau – weit weg von zu Hause, so nah dem Himmel und dem eigenen Herz.

Schon lange zurück und doch nicht wirklich hier. Aus irgendwelchen Gründen hänge ich noch fest in den Bergen und schaue wehmütig auf die bunten Bilder. Die Tage, die wie in Zeitlupe liefen. Vielleicht möchte ich nur nicht die Augen öffnen. Noch nicht. Lieber weiter träumen von den Bergen und den wilden Flüssen. Nur nur noch einmal in die Soča springen. Das schwarze Schaf am Gipfel umarmen. Tief die frische holzige Luft einatmen. Wilde Erdbeeren pflücken – süß wie Marmelade. Morgentau. Mit ihm morgens im Fluß schwimmen – Sonne schimmert über uns. Über unseren Herzen auch. Zum Frühstück gibt es Sauerteigbrot von Danjela. Frisch aus dem Ofen – nur mit Butter und Honig. So gut, dass ich das unbedingt lernen möchte. Sie zeigt es mir. Und wir falten und kneten über Tage hinweg. Vor allem geduldig sein. Gutes braucht Zeit. Eine Langsamkeit, die ich in Berlin nicht finden kann. Den Kindern aus Slap ob Idrijci beim Brückenspringen zusehen. Wie Meditation. Erstaunlich wie leicht sie ins Wasser fallen. Wasserräder bauen und Jahr für Jahr, die Feinheiten überarbeiten. Nach einem Regenguss wie im Film sind sie einfach weggespült. Sonnenblonde Haare auf den Köpfen der Kinder. Abends mit Stefan am Feuer sitzen und seinen Geschichten lauschen. Ein paar Runden Karten spielen oder zusehen, wie sie lieber durch die dunkeln Wiesen springt und Glühwürmchen in Gläsern aufbewahrt. Steine schön wie Terazzo finden –  als Erinnerung an die Smaragdfarben des Landes. Es ist so schön hier.

Irgendwann reisen wir weiter nach Süden, die Tage haben wir längst vergessen. Vor uns liegt das Meer wie hingegossen zwischen Slowenien und Kroatien. Der Duft von wildem Salbei und Lavendel in der Luft. Delphine beobachten. Mein Großer taucht als wäre er Tiefseetaucher – so lange bis er den schönsten violetten Seeigel findet. Endlos auf Luftmatratzen dösen. Bücher lesen. Melonenpause. Pizza am Meer und viele Kirschstrudel. Oder die besten Gnocchi von Anita. Wir bestellen 1 Kilo – sie packt vorsorglich noch eine große Tüte dazu, weil sie weiß, wie groß der Hunger nach einem langen Tag am Meer ist. Abends im tintenblauen Meer schwimmen, bis alle Gedanken zum Meeresgrund sinken. Könnte ich würde ich bleiben. Nur für heute.

Dieses Lied, eine Mitgift von unseren Freunden. Es erinnert mich auf ewig an diese Reise im Sommer. Danke, nicht nur dafür!