Vom Sommer umarmt

— SLOWENIEN —

Nun sind sie um – die sieben langen Wochen des Nichtstuns. Ich bin ein bißchen wehmütig. Ich wusste, dass die Ferien irgendwann zu Ende gehen. Und ich wusste auch, das ich mich nicht darauf vorbereiten kann. Als hätte ich für einen Moment vergessen wie es geht: Das Leben in Berlin. Mit all seiner Fülle, dem Bunten und Lauten, den kleinen und großen Aufgaben, das Weckerklingeln um 6.00, das Schnelle, das man niemals einholt – aber auch all‘ das Schöne, das sich dahinter versteckt.

Nun ist er wieder da, der Alltag. Heute ist Montag. Also fange ich erstmal klein an. Ich streife meine Erinnerungen vom Sommer und hebe sie auf wie zartes Seidenpapier, das auf einen ganz besonderen Moment wartet.

Diese winzigen Momente im Urlaub, die zusammengepuzzelt das große Glück ergeben. Oh wie ich diese Sommerlangsamkeit und das in Familie sein liebe.

Das Wiedersehen mit unseren Freunden in Regensburg. Jedes Jahr der Beginn unserer Ferien. Wie schnell kann man ein Jahr aufholen. Und wie kurz ist eine Nacht?

Endlich das Ankommen nach vielen Stunden Autofahrt. In der Nähe von Zminj. Sofort die Badesachen überstreifen und abtauchen ins Meer.

Alles gleich so vertraut. Und überall der Duft von Meer und Lavendel.

Die pastellfarbenen Häuser in Rovinj im Licht des Sommers (während wir im Geiste unsere neue Hausfarbe aussuchen).

Die Freude der Kinder als wir unsere MittagsBrote vergessen und ich so viele Apfelstrudel und Pfannkuchen kaufe, wie in die Bäuche unserer Kinder passen. Viele!

Jeden Tag Melone nach dem Schwimmen im Meer. Nirgends schmeckt Melone besser als im Süden.

Die Kinder sind mehr unter als über Wasser. Perlmutt und SeeIgel werden ertaucht. Um die Schätze zu Hause nach Größen wie Matroschkas zu stapeln.

Ihr Leuchten, weil sie nun ganz alleine ins Meer springen kann, wie ihre Brüder (und nicht vergessen die Badeschuhe mit Haargummis zu sichern).

Ich übe mich auch immer wieder im loslassen und springe von knapp 2 Metern. Es fühlt sich an wie 10 Meter und beim Fallen wie in Zeitlupe. Verrückt wie furchtlos man als Kind ist und wie gut es tut, sich seinen Ängsten zu stellen.

Sonnenhelle Strähnen auf den Köpfen der Kinder. Und viele neue Sommersprossen.

Aufbruch nach Slowenien. Noch nie habe ich so schnell die Koffer gepackt – so groß ist die Vorfreude und Liebe zu diesem grünen Land.

Ein Wiedersehen mit Stefan und seiner unvergleichlichen Gastfreundschaft.

Lieblingsmoment. Jeden Morgen mit ihm, eine Runde im eiskalten Fluss schwimmen, danach eine Tasse Kaffee aus der gepunkteten Tasse, MorgenSonne im Gesicht und Liebe in den Armen. Nur wir.

Wasserräder bauen und morgens gleich zum Fluss flitzen und schauen, ob sie noch drehen.

Keine Zeit zum Lesen haben, weil es so gut tut einfach nur dem Rauschen des Flusses zu zuhören.

Danach Wollstrümpfe in Sandalen.

Wildblumen sammeln und in der Blumenpresse für den Winter bewahren.

Beim Mittagessen die bunten Schirme der Paraglider bestaunen und zählen. 17.

Mein goldener Armreifen glitzert hell wie die Sonne – blank poliert vom Sommer und vielem Schwimmen.

Der smaragdgrünen Soča folgen. Bis wir in Bovec unsere Freunde treffen und mutig von den Klippen springen. Nächstes Jahr ein Wiedersehen – genau an dieser Stelle. Das wünsche ich mir!

Könnte ich mit den Fingern schnippen, wäre ich jetzt genau dort in Slowenien. Ein Ort, der mich erdet und für mich der beste Platz der Welt ist.

Wo auch immer ihr seid, genießt den Augenblick!

Eure Julia