Sommer

 
Ich wünschte das Reisen würde nie zu Ende gehen, oder wenigstens der Sommer. Doch nichts hält ewig.

Wir sind wieder da, wenn auch das Zurückkommen so seine Zeit und vor allem Liebe braucht. Es hakt noch ein wenig im Alltag. Hier und da fehlt die Routine. Oder das Sportzeug, die Milch zum Frühstück, das Portemonnaie, das seit Freitag verschwunden ist. Ein riesengroßer 12. Geburtstag dazwischen. Und mittendrin Wäsche, Puppen und Pläne für die 2. Hälfte des Jahres. Das Sichten der vielen Bilder und Sieben der Erinnerungen bietet zwischendrin kostbare Ablenkung.

Wie gut wir es hatten! Wir beginnen wieder im bayrischen Wald. Ich glaube der langsamste und leichteste Urlaub seit Jahren. Vielleicht, weil wir oft aus BerlinMüdigkeit die gleiche Reise suchen. Weil das Bekannte den Geist ruhen lässt. Weil man die Schönheit der Orte je tiefer man eintaucht erst richtig sehen kann. Vielleicht aber auch weil es einfach zu uns passt. Ich mag das Vertraute und spüre im Alltag oft eine ganz große Sehnsucht nach bestimmten Orten und Menschen. Ich muss sie dann unbedingt Wiedersuchen und Wiederfinden.

In Kroatien ist es heiß, wie wohl überall in diesem Sommer. Wir vertrödeln die Tage oft bis in den Nachmittag, ich liebe diese langsamen Morgende. Endlose Frühstücke mit Pfirsichen und einer Kanne Tee – die Kinder liegen in den Hängematten oder Betten – sie sind nicht gemacht, auch sie genießen das Nichtstun. Sehr.
Stunden können vergehen ehe wir weiterziehen, vielleicht backe ich zwischendrin einen Pfirsichtarte, wir begleiten die Penderwicks in ihren Ferien (Die Penderwicks – Jeanne Birdsall) oder ich schaue der Wäsche im Wind zu. Irgendwann ruft doch das Meer oder die Kinder.

Wir kommen an, wenn die anderen schon fast wieder gehen und das Wasser anfängt zu glitzern. Jeden Tag mit ihm weit raus schwimmen, bis die Arme müde werden – riesengroßes Glück. Die Kinder lassen sich hundert Mal ins Meer fallen. Der Moment als sie sich allein traut vom Steg zu springen, tagelang nur Hand in Hand mit ihrem Bruder und dann springt er einfach nicht mit.

Langsam vergehen die Tage. Wir vergessen die Wochentage, alle Passwörter und Berlingedanken. Ich lerne Backgammon neu und versuche Blaubeeren vom Markt. Am vorletzten Tag entfliehen wir der Langsamkeit und sind um 8 Uhr zum Frühstück am Meer verabredet. Nur wir 5 und ganz viel Blau.

Die Sonne scheint jeden Tag , die Nächte sind ebenso warm und wolkenlos. Nachdem der Mond ganz voll ist packen wir wieder unsere Koffer und brechen auf Richtung Slowenien. Morgens im Bett, halb schlafend flüstert meine Tochter „so ist doch ein bißchen Weltreise“ und an diesem Tag fühlt es sich wirklich so an. Klavže liegt irgendwo  – am Ende der Welt.

Wir pflücken Pfirsiche beim Spazieren, backen mit Stefan das beste Focaccia und probieren Kremšnita als Nachschlag, die so groß und gut schmecken, wie meine Liebe zu Slowenien.

Wir kommen um die Kraft der Berge einzuatmen, von morgens bis abends zu lesen, uns in wilde Flüsse zu stürzen, von Klippen zu springen (die Jungs), Steine auf dem Wasser hüpfen zu lassen (17x ist der Rekord! – auch die Jungs) und BergSteine zu finden (Ich) – vor allem aber um zusammen zu sein.

Als wir nach Ljublijana fahren, sind die Kinder von den vielen Serpentinen ganz verdreht. Auch von der Vorstellung einen Tag mit uns durch die Stadt zu laufen. Also halten wir einfach an. Und springen in den kalten Soca, der scheinbar durch das ganze Land fließt. Ein blaßblauer Schmetterlingsschwarm leuchtet über uns, zart wie Blütenstaub. In diesem Augenblick ist alles da.

Das schreibe ich mir auf für zu Hause. Und wenn Berlin zu schnell wird, einfach mal anhalten, abtauchen und nach Schmetterlingen Ausschau halten.

 

 

 

Ich wünsche Euch einen guten Start, vor allem langsam!
Eure Julia