Orangenduftgetränkt, zitronenbeschwipst und sonnengeküsst

Wir wohnen etwas abseits der kleinen Promenade ganz im Westen von Mallorca. Öffne ich unser Fenster, höre ich das Meer rauschen und die Palmen im Wind. Dieser Blick allein reicht, das ich jedes Jahr wieder komme. Jeden Morgen liegen wir in den Betten und lauschen einfach nur. Wir könnten aufstehen – bleiben aber lieber liegen. Für diesen Moment bin ich der glücklichste Mensch. Kaum ein Ort fühlt sich so wohl an – so sonnenhell – wie nach Hause kommen. Eine Umarmung eines guten Freundes – den man nach vielen Wintern endlich wieder besucht. Als das kühle Meer mir über die Füße schwappt, beginn ich mich zu entspannen. Berlin zieht davon mit kleinen Wolken am Himmel – wie der Abspann eines guten Filmes. Die Kinder springen schneller aus den Sachen als ich bei Miguel wolkenweiche Ensaimades holen kann. Und dann beginnt er, der Urlaub, von dem wir an all‘ den kalten dunklen Tagen geträumt haben.

Obwohl wir seit Jahren kommen, werden wir nicht mallorcamüde. Unsere Tage sind leicht und es gibt keine großen Ziele. Wir laufen zum Meer, zum Basketballplatz, zu Miguel und wieder zurück. Wir wandern über die Serra de Tramuntana – jedes Jahr ein Stück weiter und höher, über Märkte wo das Gemüse nach Farben sortiert liegt und süßes Gebäck gestapelt – genug für ein ganzes Dorf. Wir laufen barfuß wie im Sommer durch warmen Sand oder mit neuen Espadrilles durch Palmas Gassen. Wir bekommen Besuch von Freunden aus Berlin und trinken gemeinsam Kaffee – was wir in Berlin viel zu selten schaffen. Wir entdecken einen neuen mallorquinischen Käse, der so gut ist, dass  ich mir den Namen merken will , ihn aber gleich wieder vergesse. In der Abenddämmerung gehen wir ans Meer, spielen Frisbee oder zu fünft Tischtennis. Es gibt Tage an denen wir streiten, weil das Strandtuch zu klein ist für 5, weil das Wandern nicht alle beglückt, weil sich Langeweile, Müdigkeit und Hunger auch in Spanien breit machen, weil …. – doch dann pflücken wir ein paar Zitronen, blicken endloslang auf das blaue Meer, schlecken ein Eis und dann ist es wieder gut.

Ich genieße das Rumtrödeln, das in Familie sein, das Nichtstun.

Orangenduftgetränkt, zitronenbeschwipst und sonnengeküsst reisen wir nach Hause. Und wenn der Winter in 2019 nicht enden mag, dann kommen wir wieder.  (Wie in 2017201620152014 😉 )